KREIS GROSS-GERAU – Ganztagsschule – da geht es um mehr als nur um ein paar Überbrückungsstunden nach Schulschluss, um mehr als um die Organisation einer möglichst kostengünstigen Kinderbetreuung. Ganztagsschule bietet vielmehr beste Chancen für Kinder, „mit allen Sinnen“ zu lernen, Dinge zu erfahren, die über den herkömmlichen Schulstoff weit hinaus gehen. So die These von Professor Dr. Wassillios Fthenakis, Mitautor des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans, der die pädagogischen Rahmenvorgaben für die zukünftige Arbeit an Ganztagsschulen in der Veranstaltung skizzierte. Bei einer großen Fachtagung im Groß-Gerauer Landratsamt stellte er seine Überlegungen einem zahlreich erschienenen sachkundigen Publikum vor. An die 200 Personen, darunter Lehrerinnen und Lehrer, zahlreiche Schulleiter, Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten und Verwaltung sowie Vertreter von Vereinen, Jugendförderungen und benachbarten Schulträgern diskutierten dort unter dem Motto „Ganztagsschule als gemeinsames Projekt von Schule, Kommune und Jugendhilfe“. Veranstalter waren der Kreis Groß-Gerau und das Deutsche Jugendinstitut, organisiert wurde die Tagung von Fachbereich Jugend und Schule der Kreisverwaltung. In der Tat könne Ganztagschule nur gelingen, wenn die bestehenden Ressourcen von Schulen, Städten und Gemeinden, Kreis und Land sinnvoll miteinander verbunden und aufeinander bezogen würden, betonte Erster Kreisbeigeordneter Thomas Will in seiner Begrüßung: „Dabei geht es nicht nur um Geld und Stellen, sondern auch um Fachkompetenz!“ Ganztagsschulen seien wichtig und nötig, aus Gründen der Bildungsgerechtigkeit ebenso wie aufgrund veränderter Berufsbiographien der Eltern. Deshalb müsse das Land hierfür auch die notwendigen Personalstellen bereit stellen. Ganztagsschule, so Wassillios Fthenakis, mache Schluss mit der altgewohnten Unterscheidung zwischen Bildung und Betreuung. Vielmehr müsse der ganze Tag anregend gestaltet werden, und dazu bedürfe es vieler Partner: „Wir müssen gemeinsam gute Bedingungen schaffen, damit Kinder mit allen Sinnen lernen können. Entsprechend müssten sich auch die Lernziele verändern: Nicht mehr die Anhäufung von Faktenwissen dürfe im Mittelpunkt stehen: „Kinder sollen lernen, sich in einer vielsprachigen und vielgestaltigen Welt kommunikativ zu behaupten!“ Den Kreis Groß-Gerau sieht der in Bozen lehrende Pädagoge, der zuvor Professor an der Universität Augsburg und Leiter des Bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik war, dabei durchaus auf dem richtigen Weg: Mit guten baulichen Voraussetzungen und der vielerorts schon funktionierenden Kooperation der Schulen mit Vereinen und Initiativen gebe es gute Chancen für das Gelingen von Ganztagschule. Freilich seien hier wie andernorts auch noch zahlreiche Aufgaben zu lösen: So sollten etwa – gerade für einen reibungslosen Übergang zur Grundschule - die unterschiedlichen pädagogischen Herangehensweisen in Kita und Schule angeglichen werden. Und es gelte auch, die Personalausstattung an die veränderten Arbeitsbedingungen und pädagogischen Aufgaben in Ganztagsschulen anzupassen. In Arbeitsgruppen wurden weitere „Knackpunkte“ für das Gelingen von Ganztagsschule diskutiert. So stellt eine gesunde Schulverpflegung eine wichtige Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden dar – und das gemeinsame Mittagessen von Kindern und Lehrkräften fördert auch das soziale Miteinander. Schulgebäude müssen Möglichkeiten eröffnen, Räume flexibel zu nutzen und damit auf unterschiedliche pädagogische Anforderungen eingehen zu können. Kooperationen zwischen Schulen und Kommunen sollten langfristig angelegt und in feste Strukturen eingebettet sein. Schulen müssen aktiv auf Vereine und ehrenamtlich Aktive zugehen, wenn sie an kontinuierlicher Zusammenarbeit interessiert sind. Und auch die „nonformale“ Bildung gilt es zu bedenken: Schließlich vermittelt Schule neben den offiziellen Lerninhalten immer auch Dinge, die in keinem Lehrplan stehen. Einiges bleibt also noch zu tun, wenn Ganztagsschule erfolgreich sein soll: Da waren sich alle Anwesenden einig. Aber zugleich auch davon überzeugt, dass die Tagung wichtige Anregungen für die weitere Arbeit geben konnte. Und deshalb wird sich der Kreis, so die Zusage von Thomas Will, bei diesem wichtigen Thema auch weiterhin engagieren.
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